Ausgabe Mai 2002

Amerika und die Welt: Die Twin Towers als Metapher

I. America the Beautiful

O beautiful for patriot dream / That sees beyond the years / Thine alabaster cities gleam / Undimmed by human tears! / America! America! / God shed his grace on thee / And crown thy good with brotherhood / From sea to shining sea! 1)

Es dürfte kaum einen amerikanischen Präsidenten geben, der nicht irgendwann erklärte, die Vereinigten Staaten seien das großartigste Land der Welt. Ich weiß nicht, ob unsere allgegenwärtigen Meinungsforscher die Frage jemals direkt gestellt haben, vermute aber, ein enormer Anteil der US-Bevölkerung würde diesem Urteil beipflichten. Wie mag so etwas in den Ohren anderer klingen? Und nicht allein in armen Ländern, deren Kulturen sich von der unsrigen wesentlich unterscheiden: Wie mag es auf unsere Freunde und Verbündeten wirken - auf die Kanadier, die Engländer und natürlich die Franzosen? Ob Tony Blair die Vereinigten Staaten wohl für das großartigste Land der Welt hält, großartiger als sein eigenes? Würde er es wagen, so etwas zu denken? Sieht Papst Paul II. die Dinge so? Gibt es, außer den Amerikanern und denen, die gerne in die USA einwandern würden, überhaupt irgend jemanden, der so denkt?

Das Phänomen des Nationalismus findet sich natürlich nicht allein unter Amerikanern.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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