Die Parole "Der Aufschwung kommt" hat in Deutschland schon manche Wahl entschieden. In den kommenden Wochen wird es einen erheblichen Einfluss auf das Klima vor der Bundestagswahl haben, ob die aktuellen Konjunkturindikatoren deutlich nach oben weisen oder die Wirtschaftslage gedrückt bleibt. Was den Arbeitsmarkt betrifft, ist weiterhin auf das "Prinzip Hoffnung" zu verweisen bekanntlich schlägt auch eine deutliche konjunkturelle Besserung nur mit Zeitverzögerung auf die Beschäftigung durch. Da ist es Balsam auf die rot-grünen Regierungsseelen, wenn die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihr Gemeinschaftsgutachten vom April 2002 mit dem Satz "Die Weltwirtschaft steht vor einem Aufschwung" einleiten. Allerdings lässt das Wörtchen "vor" breiten Interpretationsspielraum - denn für die Wahlkämpfer spielen schon wenige Monate eine große Rolle. Derzeit deuten in der Tat einige Signale darauf hin, dass die Ende 2000 ausgebrochene weltweite Rezession im Jahresverlauf 2002 in eine ebenso weltweite Konjunkturbelebung übergehen wird. Allerdings zeigen sich zur Jahresmitte die "Konjunkturschwalben" nur sehr vereinzelt. Vom Beginn eines nachhaltigen Aufschwungs kann derzeit noch nicht die Rede sein.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.