Ausgabe November 2002

Selbstmord aus Angst vor dem Tode?

Robert Kagan hat mit seiner Kritik an der europäischen Sicherheitspolitik Recht, doch mit seiner Einschätzung der US-amerikanischen Hegemonie in Zukunft dürfte er falsch liegen. Dafür sprechen die historische Erfahrung, zwei aktuelle Meldungen und ein neuer Film. Beginnen wir mit den Lehren aus der Geschichte, sofern solche bereit stehen: Den von Kagan behaupteten Rollentausch zwischen Europa und Amerika im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts gibt es tatsächlich.

Ein aus religiösen Wirren und staatlichen Hegemonialkämpfen hervorgegangenes Europa, daheim und draußen in der Welt zu jeder Schandtat bis zum Völkermord bereit und am Ende nur durch den idealistischen Einsatz Amerikas in die Schranken verwiesen, hat seine Alleingänge eingestellt und sich aus freien Stücken in einen politisch-militärischen Zwerg verwandelt, der Kriegsgefahren allein mit friedlichen und diplomatischen Mitteln bekämpfen will.

Die Vereinigten Staaten, deren Nuklearschirm zu dieser Selbstbeschränkung die Gelegenheit bot, haben sich unterdessen auf allen Gebieten zur einer Vormacht entwickelt, wie es sie in der Weltgeschichte bisher nicht gab.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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