Ausgabe Februar 2003

Mit 40 zum alten Eisen

Der Jugendkult in der Arbeitswelt

„Wenn jemand über 50 ist, dann sind die 30jährigen schon am Trampeln: Wann geht der endlich mal nach Hause?“ Im typischen Ruhrgebiets-Jargon schildert der Ex-Stahlkocher Günter Orbach seine Erfahrungen. Viele ältere Arbeitnehmer spüren diesen enormen psychologischen Druck, ihre Stelle aufzugeben. Sich nicht frühzeitig ins Rentnerdasein zu verabschieden, gilt fast als unsolidarisch. Unterschwellige Spannungen zwischen den Generationen prägen das Klima in vielen Betrieben. Immer drängender sehen sich Unwillige mit der Aufforderung konfrontiert, ihren Platz zu räumen. Am Ende werden sie manchmal regelrecht aus den Unternehmen gemobbt. „Wer sagte, das ist eine Sauerei, wir sind doch noch viel zu jung, der wurde gleich abgestempelt“, erinnert sich Orbachs früherer Kollege Manfred Schulte: „Dann hieß es: Du nimmst einem Jungen den Job weg!“

Wie freiwillig gehen Mitarbeiter in die Altersteilzeit? Die Regelung, die seit Mitte der 90er Jahre den alten Vorruhestand abgelöst hat, läuft faktisch auf die flächendeckende Frühverrentung von 57jährigen hinaus. Business as usual: Nach wie vor bauen Firmen auf Kosten der Sozialkassen ihr Personal ab – oft mit Zustimmung der Betriebsräte. Das von allen Beteiligten vorgebrachte moralische Argument, auf diese Weise werde Platz für Jüngere freigemacht, ist wenig glaubwürdig.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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