Bei der dramatisch gescheiterten Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) standen zwei große Themen auf der Tagesordnung. Erstens sollten die Minister eine Zwischenbilanz der "Entwicklungsrunde" ziehen, die sie zwei Jahre zuvor in Doha ausgerufen hatten. Dabei ging es allerdings im Wesentlichen nur um weitere Marktöffnungen, vor allem bei Agrarprodukten. Zweitens sollte es in Cancún endlich grünes Licht für Verhandlungen über vier Themen geben, von deren Regelung die Industrieländer sich Chancen für einen neuen Schub bei der Erschließung des Südens erwarteten: Schutz für ausländische Investitionen, Wettbewerb, Öffnung öffentlicher Ausschreibungen für ausländische Bieter und Handelserleichterungen. Die Mehrheit der Entwicklungsländer stand und steht diesen Themen ablehnend gegenüber. Sie befürchten, weitere Zugeständnisse bei diesen Themen würden sie noch stärker in ihren Möglichkeiten beschränken, ihre Wirtschaft souverän und im Interesse des eigenen Landes zu gestalten. Sie bestanden in Cancún vielmehr darauf, dass zunächst einmal die Märkte der Industrieländer in den Bereichen geöffnet werden sollten, in denen der Süden am ehesten konkurrenzfähig ist, vor allem bei Produkten der Landwirtschaft wie Baumwolle und Weizen.
Etwa eine Milliarde Euro weniger als im vergangenen Jahr steht dem Bundesentwicklungsministerium 2025 zur Verfügung. Doch nicht nur der Spardruck macht der Entwicklungszusammenarbeit zu schaffen, auch die strategische Neuausrichtung gefährdet ihre Zukunftsfähigkeit.