Ausgabe März 2004

Postmoderne Guerilla

10 Jahre Aufstand, 20 Jahre Zapatistas

Das Doppeljubiläum des Zapatistischen Heeres der Nationalen Befreiung (EZLN) in Mexiko – der 20. Jahrestag seiner Gründung und der 10. Jahrestag des zapatistischen Aufstandes – bietet Anlass, die Frage von Widerstand in einer globalisierten Welt mit unzähligen Ausgestoßenen neu zu stellen und dabei zugleich auch Begriffe wie Macht, Widerstand und Gemeinschaft zu überdenken.

Gewissermaßen als Neujahresüberraschung trat das Zapatistische Heer der Nationalen Befreiung am 1. Januar 1994 – dem Tag der Gründung der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) – in das morbide politische Bewusstsein des krisengeschüttelten Mexikos und recht bald in das der Weltöffentlichkeit. Die Gründung der Guerilla zehn Jahre zuvor, am 17. November 1983, im Lakandonischen Urwald war hingegen weitgehend unbemerkt geblieben. Als dann 1994 in den frühen Morgenstunden tausende vermummte Indigenas die bekannteste Stadt der Provinz Chiapas, San Cristóbal de las Casas, und weitere sechs Bezirkshauptstädte besetzten, schien das wie ein unzeitgemäßer Traum – den einen ein Alptraum, den anderen ein Hoffnungstraum. Glaubte man doch die Guerilla, wie sie Ende der 60er und in den 70er Jahren in Mexiko existierte, längst tot.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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