Ausgabe Dezember 2004

Mexiko am Ende der Siesta

Weniger als eine Minute verlas Mexikos Präsident Vicente Fox am 1. September seine Regierungserklärung, die dritte seiner Amtszeit, da unterbrachen ihn schon die Abgeordneten der Opposition. Mitglieder der sozialdemokratischen Partei der Demokratischen Revolution (PRD) protestierten mit dutzenden Plakaten, die sie in den Plenarsaal des mexikanischen Parlamentes geschmuggelt hatten. "Fox, was willst Du uns erzählen", stand darauf, oder schlicht: "Lügen!" 21 Unterbrechungen musste der Präsident hinnehmen, zwölf Mal mahnte der Parlamentspräsident die Abgeordneten zur Ruhe. So etwas hatte es in der jüngeren mexikanischen Geschichte noch nie gegeben. Dass dem Präsidenten außerhalb des Parlamentes Protest zuteil werden würde, damit hatten dagegen zumindest die Sicherheitskräfte gerechnet. Rund 4000 Polizisten riegelten das Gebäude ab. Sie und eine doppelte Stahlmauer hielten zehntausende Demonstranten davon ab, das Gebäude zu stürmen. Am nächsten Tag bestimmten hämische Kommentare die Presse. Der Präsident sei allein von den Polizisten und der Mauer, nicht aber von seinen Argumenten geschützt worden.

Enttäuschte Hoffnungen

Vier Jahre nach dem Ende der 71jährigen Herrschaft der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) bietet Mexiko alles andere als ein ruhiges Bild. Alle Hoffnungen auf eine demokratische Öffnung des verkrusteten politischen Systems sind geschwunden.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Alternativen zum Geist der Ausbeutung

von Mariana Mazzucato

Während das Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto »A Spirit of Dialogue« (Ein Geist des Dialogs) tagt, haben die USA die Kontrolle über die Ölinfrastruktur Venezuelas übernommen und eine »unbefristete« amerikanische Verwaltung der Erdölreserven des Landes eingerichtet.