Ausgabe Januar 2005

Wahl und Alternative

Was sich im Frühjahr 2004 unter dem Eindruck der ersten öffentlichen Diskussionen über die mutmaßlichen Folgen von Hartz IV und der ungebrochenen Abfolge sozialdemokratischer Wahlniederlagen zunächst noch vage angedeutet hatte, ist zum Jahresende konkretisiert worden: Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wird eine neue Linkspartei antreten. Wie groß aber sind die Erfolgsaussichten der "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit"? Dafür gilt es zunächst zu klären, aus welchen Veränderungen im Verhältnis zwischen Parteien und Wählerschaft die "Wahlalternative" hervorgegangen ist.

Im deutschen Parteiensystems hat sich seit 1999 ein Kulturbruch vollzogen, der in seiner Tragweite noch gar nicht abzuschätzen ist. Den Kern dieses Wandels bildet ironischerweise der von der SPD unter Gerhard Schröder und Franz Müntefering forcierte Abschied von der "Sozialdemokratisierung" der Bundesrepublik. Diese "Sozialdemokratisierung" mit ihrer Hinwendung zum Sozialstaat und Orientierung an der Verteilungsgerechtigkeit als Verheißung einer demokratischen Gesellschaft war die wichtigste Säule politischer Legitimität und Stabilität in den deutschen Nachkriegsjahrzehnten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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