Ausgabe Januar 2005

Rechtskultur statt Leitkultur

Zur Versachlichung der Integrationsdebatte

"Integration" ist derzeit in aller Munde. Die in Deutschland lebenden Ausländerinnen und Ausländer sollen sich in die Gesellschaft integrieren oder in sie integriert werden. Dazu werden sie angehalten, die deutsche Sprache zu lernen und selbst in ihren Gotteshäusern auf Deutsch zu predigen. Letzteres ist ein Vorschlag zur öffentlichen Sicherheit, den sogar der Vorsitzende der EKD Bischof Huber öffentlich gut hieß. In der Debatte vermischen sich Sicherheitsfragen beliebig mit Fragen der sozialen Integration von Zuwanderern - ein Schema, das sich seit dem Zuwanderungskompromiss zu verfestigen scheint -, und zuletzt kanalisiert sich alles auf die ewige Frage nach der Identität der Deutschen, derzeit zumeist in Form der endlosen Debatte um die ominöse deutsche Leitkultur.

Tatsächlich unterscheidet sich die Lebensweise der Zuwanderer häufig sehr von der anderer Personengruppen in der Bundesrepublik. Diese Erkenntnis hat manchen Kommentator dazu bewegt, die Existenz von Parallelgesellschaften zu beklagen.

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In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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