Ausgabe Januar 2006

Vom langen Marsch zum großen Sprung?

China zwischen Rekordwachstum und Massenarmut

„Bereichert Euch!“ – mit dieser Losung eröffnete Deng Xiaoping im Dezember 1978 eine neue Ära. Seit die Kommunistische Partei Chinas mit ihren Reformbeschlüssen auf dem 3. Plenum des XI. Zentralkomitees eine historische Wende einleitete, durchläuft die chinesische Gesellschaft eine geradezu revolutionäre Umwälzung, die allerdings zunächst von der Außenwelt kaum wahrgenommen wurde.

Erst zehn Jahre später, im Juni 1989, als die Studentenproteste im Herzen Pekings gewaltsam niedergeschlagen wurden, bemerkte die Weltöffentlichkeit die Veränderungen in der Volksrepublik. Als wenige Monate später der real existierende Sozialismus in Osteuropa implodierte, erwartete man im Westen, dass auch das chinesische Regime bald zusammenbrechen würde.

Diese Erwartung sollte sich jedoch schon bald als falsch erweisen. Das Gegenteil traf zu: Das KP-Regime erholte sich überraschend schnell von der schweren Legitimationskrise, indem es einerseits die Repression gegen Oppositionelle verstärkte und andererseits zugleich die marktorientierten Reformen beschleunigte. Bereits 1992 sprach Deng Xiaoping von Chinas „sozialistischer Marktwirtschaft“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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