Ausgabe März 2006

Kandada: Konservativ auf Bewährung

„Changeons pour vrai!“ – Lasst uns wirklich etwas ändern! Der Sturm des Wandels, den die Konservative Partei mit diesem Slogan in Kanada entfachen wollte, ist zwar ausgeblieben, dennoch ist ihr eine kleine politische Revolution gelungen. Nach 13 Jahren liberaler Vorherrschaft in Ottawa und einer zuletzt schwachen, politisch ideenlosen und in Korruptionsaffären verstrickten Regierung lenkt seit den vorgezogenen Wahlen vom 23. Januar eine konservative Minderheitsregierung mit Stephen Harper an der Spitze die Geschicke des Landes.

Gegen die Regierung des scheidenden Premier Paul Martin, der es nicht nur an einer parlamentarischen Mehrheit, sondern vor allem an Visionen und politischen Konzepten fehlte, hatten die Konservativen im Wahlkampf allerdings auch leichtes Spiel. (Daran konnten auch die hastig verteilten Milliardengeschenke nichts mehr ändern.)

Polterte der neo-konservative Herausforderer Harper zunächst noch kräftig los und startete seinen Wahlkampf mit einem Angriff auf die gleichgeschlechtliche Ehe, dem Willen zur Abwendung vom Kyoto-Protokoll, dem Vorhaben, sich am US-Projekt einer weltraumgestützten Raketenabwehr zu beteiligen und zahlreichen „law-andorder“ Versprechungen, schlug er in der zweiten Hälfte des Wahlkampfes ungleich versöhnlichere Töne an. Aus dem gefürchteten „Bush des Nordens“ wurde plötzlich der große „Integrator“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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