Zehn Jahre ist es her, da versprachen die Regierungen auf dem Welternährungsgipfel in Rom, die Anzahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Das Ziel von 1996 klang schon damals zynisch – nahm man doch die andere Hälfte des Elends einstweilen in Kauf. Was jedoch schwerer wiegt: Selbst dieses Ziel wird verfehlt werden. Ende Oktober wird die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom eine katastrophale Zwischenbilanz von zehn Jahren Hungerbekämpfung ziehen müssen: Die Zahl der Hungernden ist nicht gesunken, sondern gestiegen, von damals 840 auf heute 852 Millionen. Wirkliche Erfolge sind lediglich in China und Teilen Indiens zu verzeichnen. In Afrika dagegen wächst die Zahl der Hungernden immer noch um jährlich eine Million. Weltweit sterben täglich 80000 Menschen an den Folgen des Hungers. Nach UN-Gepflogenheiten wäre zur „Halbzeit“ des Programms eigentlich ein Regierungsgipfel angesagt. Angesichts der beschämenden Bilanz nimmt es jedoch nicht wunder, dass das diesjährige Treffen zu einem „Sonderforum“ herabgestuft wurde, an dem lediglich die Botschafter teilnehmen müssen. Regierungschefs und Landwirtschaftsminister bleiben offenbar lieber zu Hause, anstatt sich öffentlich der Verantwortung zu stellen.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.