Ausgabe Januar 2007

Vor uns die Wüste

Zehn Jahre Kyoto-Protokoll, EU-Ratspräsidentschaft und G8-Vorsitz der Bundesrepublik samt seinem Höhepunkt, dem Treffen der acht führenden Industrienationen in Heiligendamm: 2007 dürfte, gerade aus deutscher Sicht, zu einem entscheidenden Jahr für die Zukunft der Globalisierung, aber auch der globalisierungskritischen Bewegung werden.

Nicht zuletzt an der globalen Energie- und Klimafrage wird sich klären, ob die Zukunft der Welt noch eine friedliche sein kann oder ob wir neuen Ressourcenkriegen entgegengehen. Längst haben die Autokraten der Welt, von Ahmadinedschad bis Putin, aber auch die westlichen Demokratien, von Deutschland bis zu den Vereinigten Staaten, erkannt, dass sich die Energieversorgung zur entscheidenden Machtfrage der Zukunft entwickelt – und richten ihre Militärstrategien danach aus.1 Insofern ist die letzte Äußerung von UN-Generalsekretär Kofi Annan auf einem Weltgipfel sehr ernst und als dessen Vermächtnis zu nehmen: Man muss dem Klimawandel genauso viel Beachtung schenken wie der Vermeidung von Kriegen und dem Kampf gegen Massenvernichtungswaffen.2

Diese brandgefährliche Entwicklung dürfte noch dadurch forciert werden, dass die letzte Weltumweltkonferenz in Nairobi nur heiße Luft produzierte. Die versammelte Ministerschar verständigte sich darauf, sich über die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls in Bälde erneut zu verständigen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.