Ausgabe Februar 2007

Die Mär von der arabischen Stagnation

Im Dezember 2006 erschien der vierte und vorerst letzte „Arabische Bericht über die menschliche Entwicklung“ (AHDR). Seit 2003 werden die Studien jährlich vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlicht.1 Im Gegensatz zu den jeweiligen nationalen Berichten werden die gesamtarabischen Entwicklungsberichte von einem nichtstaatlichen Redaktionsteam unter Leitung des ägyptischen Soziologen Nader Fergany herausgegeben. Nach einer Bestandsaufnahme der Gesamtlage beschäftigte sich der zweite Bericht mit Wissensproduktion in der arabischen Welt; im dritten ging es um Bürgerrechte, gute Regierungsführung sowie Reformfähigkeit; und der zuletzt erschienene Bericht behandelt speziell die Situation der Frauen in der Region.

Die vier Berichte sind immer wieder als „Kronzeugen“ herangezogen worden, wenn es um die Nicht-, Unter- oder Fehlentwicklung der arabischen Welt ging. Getreu dem Motto „Der Araber sagt es ja selbst“ wurde kaum ein wissenschaftliches Dokument so häufig zitiert. Auch US-Präsident George W. Bush übernahm zur Begründung seiner Demokratisierungsinitiativen von Marokko bis Afghanistan einige Passagen wortwörtlich.

Dabei wurden meist nur jene Teile zitiert, die innerstaatliche Hemmnisse sowie Stillstand behandelten.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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