Ausgabe Februar 2007

Die Mär von der arabischen Stagnation

Im Dezember 2006 erschien der vierte und vorerst letzte „Arabische Bericht über die menschliche Entwicklung“ (AHDR). Seit 2003 werden die Studien jährlich vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlicht.1 Im Gegensatz zu den jeweiligen nationalen Berichten werden die gesamtarabischen Entwicklungsberichte von einem nichtstaatlichen Redaktionsteam unter Leitung des ägyptischen Soziologen Nader Fergany herausgegeben. Nach einer Bestandsaufnahme der Gesamtlage beschäftigte sich der zweite Bericht mit Wissensproduktion in der arabischen Welt; im dritten ging es um Bürgerrechte, gute Regierungsführung sowie Reformfähigkeit; und der zuletzt erschienene Bericht behandelt speziell die Situation der Frauen in der Region.

Die vier Berichte sind immer wieder als „Kronzeugen“ herangezogen worden, wenn es um die Nicht-, Unter- oder Fehlentwicklung der arabischen Welt ging. Getreu dem Motto „Der Araber sagt es ja selbst“ wurde kaum ein wissenschaftliches Dokument so häufig zitiert. Auch US-Präsident George W. Bush übernahm zur Begründung seiner Demokratisierungsinitiativen von Marokko bis Afghanistan einige Passagen wortwörtlich.

Dabei wurden meist nur jene Teile zitiert, die innerstaatliche Hemmnisse sowie Stillstand behandelten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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