Ausgabe April 2007

Abstieg auf japanisch

Japans Unternehmen sind derzeit wieder so profitabel wie in den 80er Jahren, als sie bereits – etwas vorschnell – zum Sieger im internationalen Wettbewerb erklärt wurden. Aus dem deflationsgeplagten Negativbeispiel der letzten Jahre ist ein expandierender, zunehmend von angelsächsischen Zügen geprägter Kapitalismus entstanden. Dabei zeigt die japanische Entwicklung zugleich, wie sich neoliberale Wirtschaftspolitik auf die Strukturen der Gesellschaft auswirkt: Die sozialen Unterschiede wachsen rasant, und die ehemals korporatistisch geprägte (Mittelstands-)Gesellschaft zerfällt immer mehr in ein Oben und Unten.

Zu Beginn der 90er Jahre implodierte in Japan die von billig geschöpftem Kreditgeld und Vermögenswertinflation angetriebene Bubble Economy. Mit dem Preisverfall der Immobilien- und Aktienmärkte wuchs der Kreditabschreibungsbedarf der privaten Großbanken so stark, dass diese mittels öffentlicher Kapitaleinlagen stabilisiert werden mussten. Im Gegenzug erhielten sie strenge Auflagen, bis wann und wie ihr Kreditbestand zu sanieren und ihre Profitabilität wiederherzustellen sei. In der Folge zogen die Banken Kredite von gefährdeten Schuldnern ab, veräußerten die beliehenen Vermögenswerte mit deutlichen Abschlägen auf die ursprünglichen Buchwerte und trennten sich von industriellen Beteiligungen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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