Ausgabe Oktober 2007

Kuba vor der chinesischen Option?

Offenbar steckt Kuba immer noch im Post-Castrismus Teil I. Es gibt keine apokalyptische Explosion, sondern Stabilität und Wirtschaftswachstum. Ausgerechnet die US-Amerikanerin Julia Sweig stieg mit der These von „Fidel’s Final Victory“ zur Prophetin für diese bewegungsarme Phase auf, die noch einige Zeit dauern mag.1 Irgendwann aber wird Gevatter Hein dann doch Fidel Castro abberufen, und dann erst kommt es zur hora de la verdad, zur alles entscheidenden Phase des Post-Castrismus Teil II. Dann tatsächlich stellt sich die Frage: Wie weiter nach Castro?

Gewiss, gesundheitlich dürfte sich der alte Mann auf der Zuckerinsel vorerst erholt haben. Aber funktioniert der Kopf noch? „Se le quemaron los cables“, hören wir als Kollegen-Tratsch aus Kuba, Fidel wird angeblich wunderlich. Vielleicht will man ihn deswegen bewusst nur noch im Hintergrund halten. Das hindert ihn jedoch nicht an regelmäßigen Kommentaren in der Tageszeitung „Granma“, angefangen von strengen Grundsatzfragen bis zu zornigen Glossen über Kubas Sportler. Nicht wenige von ihnen tauchten bei den Panamerikanischen Spielen im Sommer in Rio de Janeiro unter. Sogar Boxer, Kubas Vorzeige-Athleten, sprangen des schnöden Mammons wegen ab, geangelt unter anderem vom Hamburger Profiboxstall „Arena“. Solcher „Verrat von Söldnern der Konsumgesellschaft“ trifft Fidel ins Mark.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Lateinamerika