Ausgabe Oktober 2007

Der Preis des Wunders

Indien zwischen wirtschaftlichem Aufstieg und sozialem Abstieg

In den letzten Jahren hat das „offizielle“ Indien sich wegen seiner beschleunigten Wachstumsraten und der Annahme, diese brächten eine Verringerung der Armut im Lande mit sich, gerne selbst auf die Schultern geklopft. Und in diesen Chor der Lobredner sind nicht wenige renommierte Weltagenturen, insbesondere die Bretton-Woods-Institutionen (also Weltbank und IWF), begeistert eingefallen.

Unbestreitbar hat die indische Wirtschaft sich unter den Bedingungen der gegenwärtigen Globalisierung, gemessen an den Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP), in letzter Zeit besser geschlagen als im vorausgegangenen Jahrzehnt. Es erscheint jedoch ein wenig verfrüht, die jüngste Beschleunigung (während der letzten drei bis vier Jahre) so zu interpretieren, als habe das wirtschaftliche Wachstum eine neue Dimension erreicht, die Steigerungsraten von acht bis zehn Prozent für das ganze kommende Jahrzehnt oder auch nur die nächsten fünf Jahre hindurch garantiere. Dennoch stellen die hohen und anhaltenden BIP-Wachstumsraten bei niedriger bis mäßiger Inflation während des Betrachtungszeitraums sowie das Ausbleiben größerer Finanzkrisen seit Anfang der 90er Jahre offenkundig die Aktivposten der indischen Bilanz dar. Zudem ist das Land für ausländische Investoren zweifellos attraktiver geworden, was sich an der Zunahme der Devisenreserven (derzeit ungefähr 180 Mrd.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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