Ausgabe Februar 2008

Die Rückkehr des Reaktionärs

„Freiheit freilich. Aber zum Schlimmen Führt der Masse sich selbst Bestimmen. Und das Klügste, das Beste, Bequemste Das auch freien Seelen weitaus genehmste Heißt doch schließlich, Ich hab’s nicht Hehl Festes Gesetz und fester Befehl.“

Diese heute mehr als befremdlich wirkenden Zeilen entstammen der Feder des als ebenso menschenfreundlich wie skeptisch bekannten Dichters Theodor Fontane. Wie kaum ein anderer beobachtete er, teils durchaus nostalgisch, den Niedergang des preußischen Adels und den Aufstieg des Bürgertums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.1 Keineswegs zufällig steht sein Gedicht am Anfang eines Buches, das im vorvergangenen Jahr ob seiner offen rückwärts gewandten Erziehungsideologie Furore machte: Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“.2 Wie auch die Wahlkampfführung des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch beweist, ist die Sehnsucht nach Härte, Autorität und Unterwerfung in breiten Kreisen der Gesellschaft angekommen. Reaktionäres Denken ist wieder en vogue – und zwar auf der ganzen Breite des politisch-kulturellen Spektrums.

So inszenierte im vergangenen Jahr das Berliner Maxim Gorki Theater, das man eher der kulturellen Linken wird zurechnen müssen, mit nicht unerheblichem Erfolg ein Stück des französischen Dichters Paul Claudel (1868-1955).

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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