Ausgabe Juni 2008

Das Elend der WTO

Für eine Neuerfindung des Welthandels

Das multilaterale Handelssystem steckt derzeit in seiner tiefsten Krise seit Jahrzehnten. Die Probleme wiegen so schwer, dass es nach vielen Jahren äußerst mühsamer Verhandlungen inzwischen fast nebensächlich geworden zu sein scheint, ob das Ende der Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO) bald offiziell verkündet wird oder die Verhandlungen weiter vor sich hindümpeln.

Denn längst geht es nicht mehr „nur“ um die Doha-Verhandlungsrunde, sondern es ist die WTO selbst, die zur Disposition steht. Zwar treten nach wie vor Länder der WTO bei, und ihre Streitschlichtungsinstanz trägt laufend Handelskonflikte zwischen Mitgliedsländern aus. Doch die Verhandlungen über eine Weiterentwicklung der Handelsregeln sind durch einen grundlegenden Reformstau gekennzeichnet. Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 wurde sie immer wieder von einem Stillstand oder Scheitern der Verhandlungen gebeutelt: Die Ministerkonferenzen in Singapur 1996, Genf 1998 und Hongkong 2005 blieben ohne signifikante Ergebnisse, während die Konferenzen in Seattle 1999, Cancún 2003 und die Gespräche am Sitz der WTO in Genf 2006 und erneut 2007 sogar gänzlich scheiterten. Im Rückblick erscheinen daher gar nicht mehr die Fehlschläge, sondern eher die einmaligen Erfolge, wie etwa der Beginn der gegenwärtigen Verhandlungsrunde in Doha 2001, typisch zu sein.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.