Ausgabe September 2008

Restauration statt Wandel

Das duale Bildungssystem in der Krise

Wenn es so etwas wie „nationale Gewissheiten“ gibt, so gehört in Deutschland der Glaube an zwei Institutionen dazu: das Gymnasium und die betriebliche Lehrlingsausbildung. Die beiden aufstrebenden Klassen des 19. Jahrhunderts, das städtische Bürgertum einerseits und die industrielle Arbeiterschaft andererseits, schufen sich mit und in diesen getrennten, gegeneinander abgeschotteten Bildungs- und Ausbildungswegen ihren jeweiligen Zugang zu Gesellschaft, Aufstieg und Anerkennung. Die eine Klasse setzte auf Bildung, Abitur und Studium, die andere – in der Tradition der deutschen Handwerkszünfte – auf Gesellenprüfung, Beruf und möglichst frühzeitige Integration in das Erwerbsleben.

Insbesondere im dualen Ausbildungssystem von Betrieb und Berufsschule sehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, vor allem ihre Interessenvertreter in den Kammern und den Gewerkschaften, bis heute ein Element des Erfolgsweges „made in Germany“. Das deutsche Berufsprinzip, der geordnete, gesetzlich geregelte Weg zum Erwerb von Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten, steht nicht nur für fachliche Qualifikation und Kompetenz. Es spiegelt gesellschaftliche Anerkennung und ist ein Stück der persönlichen Identität, mit dem es gelingt, so die Grundannahme, Wechselfälle im Erwerbsleben „zu bewältigen und selbst in die Hand zu nehmen“.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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