Ausgabe September 2008

Europa auf Schienen

Mit der Osterweiterung der Europäischen Union im Mai 2004 vergrößerte sich der europäische Binnenmarkt um etwa 70 Millionen Menschen. Damit ist auch der grenzüberschreitende Straßengüterverkehr in Europa, ausgehend von einer bereits hohen Verkehrsleistung, weiter angestiegen. Insbesondere die Bundesrepublik entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Drehscheiben für den europäischen Verkehr. So erhöhte sich nach der EU-Erweiterung das Aufkommen an Lastkraftwagen an den Grenzübergängen zwischen Deutschland und Polen um rund 30 Prozent. Vor allem die neuen Beitrittsländer weiten ihre Verkehrsleistung im grenzüberschreitenden Straßengüterverkehr deutlich aus, dies hat auch zu einem stärkeren Preisdruck im grenzüberschreitenden Güterverkehr geführt.

Bereits seit Beginn der 90er Jahre fand vor allem in Osteuropa eine deutliche Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße statt. Die Anteile an insgesamt gefahrenen Transportkilometern im Schienengüterverkehr sind kontinuierlich gesunken. Mittlerweile nimmt der Straßengüterverkehr in der Europäischen Union mit rund 77 Prozent im Vergleich zum Schienengüterverkehr und der relativ unbedeutenden Binnenschifffahrt den weitaus größten Anteil ein. So konnte die Bahn bislang aus der Erweiterung des europäischen Binnenmarktes nur einen sehr begrenzten Nutzen ziehen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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