Ausgabe Februar 2009

Bush vor Gericht?

Die Bush-Regierung ist vorbei und Barack Obama Präsident. Von ihm wird erwartet, dass er die Gesetzes- und Menschenrechtsverstöße seines Vorgängers verwirft. Doch damit stellt sich eine Frage von enormer Größenordnung und Sprengkraft: Was soll mit denjenigen geschehen, die ein beträchtlicher Teil der Öffentlichkeit in den westlichen Demokratien, von den Vereinigten Staaten gar nicht zu reden, als Kriegsverbrecher betrachtet?

Obama symbolisiert einen Neubeginn in Amerika, die Chance, Erneuerung und Gerechtigkeit zu bewirken. Aber Neuanfänge wischen nicht einfach die Geschichte von der Tafel. Die immer weitere Verbreitung von Gedenkstätten und -veranstaltungen – Versuche der Entschuldigung für historische Verbrechen und Verfolgungsmaßnahmen, die niemals ungeschehen gemacht werden können – hat dies in den letzten Jahren verdeutlicht. Wenn jetzt eine neue US-Regierung einen Neubeginn unternimmt, bedeutet dies eine neu strukturierte Gesetzgebung, die ergänzt und korrigiert, was bereits getan wurde, und die Normen des öffentlichen Lebens verändert.

Im gegenwärtigen Fall muss ganz klar zwischen zwei Dingen unterschieden werden: zwischen den innen- und außenpolitischen Themen, die in Wahlkämpfen zur Debatte stehen und jetzt Obamas Regierungsagenda bestimmen, und der Bilanz internationaler Rechtsverstöße, die Bush hinterlässt, darunter Handlungen, die – wie die Folter – allgemein als Kriegsverbrechen gelten.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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