Ausgabe Mai 2009

Transsexuelle - ungleichberechtigt

Geschlechterordnungen unterliegen dem Wandel von Zeit und politischen Kräfteverhältnissen. Dass die traditionellen geschlechterpolitischen Vorstellungen – entgegen der landläufigen Annahme einer angeblich bereits verwirklichten Gleichberechtigung der Geschlechter und Lebensweisen – sich dabei immer wieder als erstaunlich beharrlich erweisen, zeigt die aktuelle Auseinandersetzung um das Transsexuellengesetz.

Worum geht es in diesem Streit? Das 1980 verabschiedete „Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen (Transsexuellengesetz)“ ermöglicht Personen, die sich ihrem bei Geburt zugeordneten Geschlecht nicht (mehr) angehörig fühlen, zwei Varianten, um rechtlich das andere Geschlecht anzunehmen. Die sogenannte kleine Lösung beinhaltet die Änderung des Vornamens, den Anspruch auf eine entsprechende Anrede und die inzwischen erkämpfte Möglichkeit, das gelebte Geschlecht in den Pass eintragen zu lassen. Die „große Lösung“ ermöglicht darüber hinaus die umfassende personenstandsrechtliche Anerkennung im neuen Geschlecht. Damit eröffnen sich der Person gleichwertig alle Rechte und Pflichten, die diesem Geschlechtsstatus entsprechen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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