Ausgabe Juni 2009

Alternativmodell ILO

Bereits vor Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise war überdeutlich, dass die neoliberale Deregulierungspolitik der letzten zwei Jahrzehnte die globalen Ungleichheiten erheblich vertieft hat, statt sie zu verringern. Allerdings waren die dramatischen sozialen Folgen der forcierten Deregulierung lange Zeit vor allem im globalen Süden spürbar. In Zeiten der Krise sieht sich nun auch der globale Norden mehr und mehr ungesicherter Arbeit, wachsender Ausbeutung und zunehmender Armut ausgesetzt.

Wer jedoch geglaubt hätte, dass angesichts dieser Tatsache nach politischen Lösungen jenseits blinden Marktvertrauens gesucht würde, sieht sich getäuscht. Wie die Resultate des jüngsten Londoner G 20-Gipfels belegen, setzen die führenden Industrienationen wirtschaftspolitisch im Kern auf ein schlichtes „Weiter so“. Trotz vollmundiger Beteuerungen ist auf Seiten der mächtigen Regierungschefs keinerlei Bereitschaft zu erkennen, in Richtung auf eine faire und nachhaltige Weltwirtschaftsordnung umzusteuern. Im Gegenteil: Die direkte Unterstützung sozialer Sicherungssysteme nimmt in der internationalen Krisenbekämpfung nur eine völlig marginale Rolle ein. Von den 1100 Mrd. US-Dollar, welche Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) von den G 20 erhalten sollen, sind gerade einmal 50 Mrd. US-Dollar dafür vorgesehen, die Folgen der Krise für die ärmeren Staaten abzufedern.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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