Ausgabe November 2009

Simbabwe im Würgegriff

Mugabes Kampf gegen das eigene Volk

Knapp 300 Kilometer südlich von Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, befinden sich die Ruinen der Hauptstadt eines mythischen Königreiches, das vor mehr als einem halben Jahrtausend einen Großteil des südlichen Afrikas beherrschte. Die verfallenden Bauwerke sind die größten Beispiele feudaler Baukunst südlich der Sahara. Als vor mehr als 120 Jahren Buren und Briten und auch deutsche Wissenschaftler das Land besetzten, hielten die Invasoren die ansässige Bevölkerung, ja die schwarzen Menschen insgesamt, kognitiv und technologisch für außerstande, Bauwerke solchen Ausmaßes zu planen, zu gestalten und zu bauen. Die Ruinen stammten von Phöniziern, oder das sagenumwobene Reich der Königin von Saba könnte hier seine Goldminen gehabt haben, vermuteten die Kolonisatoren.

Nicht nur, dass sich das unabhängige Simbabwe („House of Big Stones“) nach ebendiesem Königreich benannte, die Frage nach den wahren Erbauern der Ruinenstadt überhöhte sich für den jungen, selbstbewussten, unabhängigen Staat zu einer ideologischen Gewissheit: Die „Ruinen Simbabwes“, wie sie noch von den Kolonisatoren benannt wurden, wandelten sich zu dem von ansässigen Shona erbauten „Great Zimbabwe“. Mit diesem semantisch-politischen Umbau erkämpfte sich das stolze Land vor nun fast 30 Jahren, am 18.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Krieg im Kongo: Trump und der gordische Knoten

von Simone Schlindwein

Heute gelingt uns das, woran so viele andere gescheitert sind«, prahlte Donald Trump im Dezember 2025, als Kongos Präsident Felix Tshisekedi und dessen ruandischer Amtskollege Paul Kagame zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages im Weißen Haus eintrafen.

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.