Ausgabe August 2010

Neoleninismus in der Postdemokratie

Die letzte Woche des Juni 2010 war in Deutschland durch zwei politische Ereignisse gekennzeichnet, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. So tagte am letzten Wochenende in der Berliner Volksbühne der Kongress „Die Idee des Kommunismus“ unter Beteiligung so prominenter linker Theoretiker wie Alain Badiou, Slavoj Žižek und Toni Negri, während drei Tage später – ebenfalls in Berlin – die Wahl zwischen den Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck und Christian Wulff entschieden wurde.

Die Stimmung vor der Wahl zwischen Gauck und Wulff schien genau das auszudrücken, was auch die Politikwissenschaft neuerdings feststellt – Verdruss über den politischen Betrieb, der sich von der Demokratie zur „Postdemokratie“ hin zu verschieben scheint und die Sehnsucht nach einer „echten“ kollektiven Willensbildung.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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