Ausgabe November 2010

Die deutschen Kennedys

Ich sage Ihnen, als Medienprofi sage ich Ihnen: Wir haben sie! Die deutschen Kennedys. Er immer smart wie ein iPhone und sie kühl & knackig & zugleich sexy, Karl-Theodor und Stephanie. Wir werden sie die „Guttis“ nennen. Das hat so einen Klang wie Goodies, Goodies good for Germany, oder so ähnlich.

Sehen Sie, die Merkel ist out, bei der versteht ja jeder nur noch Bahnhof – sehr unpopulär zurzeit. Umfragen und Mundwinkel: Alles nach unten. Aber unser fescher Freiherr, der geht auf so eine Afghanistan-Beerdigung, eine echte Schlechte-Nachrichten-Veranstaltung, und fordert glatt einen „offenen und ehrlichen“ Umgang mit dem Krieg. Das nenne ich offensiv.

Da schickt einer Leute zum Umbringen oder Umgebrachtwerden in irgend so ein Ausland, die kommen dann tot zurück oder kaputt, und der macht jetzt nicht den Tut-mir-aber-leid-Heinz, soll nicht wieder vorkommen. Nee, der setzt noch einen drauf: „Wir lassen junge Menschen schwören, für unser Land tapfer zu sein. Dann sind sie es und sterben tapfer für uns.“ Das ist doch mindestens so gut wie dieser Kennedy-Hammer damals: Frage nicht, ob Dein Land stirbt, frage lieber, wo Du für Dein Land sterben kannst, oder so ähnlich.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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