Ausgabe März 2011

Italia desolata

Die Vorbereitungen für die offiziellen Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Gründung des italienischen Nationalstaats am 17. März sind angelaufen, doch angesichts der quälenden politischen Krise kommt Feststimmung nicht auf. Im Gegenteil: Die Gesellschaft ist desillusioniert, tief verunsichert und geschwächt, so der 44. Censis-Bericht zur Lage der Nation vom Dezember 2010. Den lang gehegten Glauben an die Wunderwirkung eines endlich „effizienten“ politischen Machers haben die Italiener verloren, der medial vermittelte Konsum-Egoismus hat sie gegenüber der desolaten politischen Wirklichkeit abgestumpft, ja apathisch werden lassen. Der Soziologe Giuseppe de Rita sieht das Land daher gefangen in einer Gegenwart ohne Tiefendimension, aus der Erinnerung und Zukunft ausgeblendet sind.

Italien ist zwar vereint, aber immer noch ein Land der Ungleichzeitigkeiten, reich an Kontrasten und Konflikten. Das ist nicht nur eine Schwäche, sondern von jeher auch der Humus für eine demokratische Entwicklung. Doch eine solche ist in Italien seit langem blockiert.

Eine Degeneration politischer Macht durch die Blockade des Wechsels mit der (damals kommunistischen) Opposition kennzeichnete schon das Parteiensystem, das nach dem Ende des Kalten Krieges, Anfang der 90er Jahre, ausgehebelt wurde.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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