Ausgabe Juni 2011

Die Rückkehr der Demokratiefrage

Perspektiven demokratischen Regierens und die Rolle der Politikwissenschaft

Wer über Perspektiven demokratischen Regierens im 21. Jahrhundert spricht, begibt sich auf das Feld der Vorhersagen, und die sind bekanntermaßen dann besonders gefährlich, wenn sie die Zukunft betreffen. Dennoch kann man meines Erachtens mehrere demokratierelevante Entwicklungen ausmachen, die sich in den letzten drei Dekaden herauskristallisiert haben und auch in nächster Zukunft Bestand haben werden.

Alle diese Entwicklungen sind direkte oder indirekte Folgen gesellschaftlicher Denationalisierungsprozesse und der damit verbundenen Gefahren und Chancen. Sie verweisen auf Probleme der legitimen Herrschaftsübung und rücken mithin die Frage nach der Demokratie wieder verstärkt in den Fokus politischer Auseinandersetzungen. Diese Entwicklungen werden aber – so meine Kernthese – zu einer Relativierung des demokratischen Prinzips in der Auseinandersetzung über gute politische Ordnungen führen.

Wissenschaft ist Reflexion. Wer über das demokratische Regieren im 21. Jahrhundert spricht, muss gleichsam selbstreflexiv die Grenzen und Möglichkeiten von Aussagen über die Zukunft in der Politikwissenschaft ausloten.

Philip Tetlock hat Ende der 1980er Jahre in einer bahnbrechenden Studie 284 politische Experteninnen und Experten dazu gebracht, Vorhersagen über allgemeine politische Entwicklungen bis 2003 zu machen.

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