Ausgabe April 2012

Griechenland: Wahlschlacht im Schuldturm

Als im 13. Jahrhundert Marco Polo aus China nach Venedig zurückkehrte, erntete er Spott mit einer neuen Zahl, die in seiner Reisebeschreibung immer wieder auftauchte: Million. Bis dahin war man gewohnt, höchstens in Tausenden zu rechnen. Heute zählen Millionen nicht mehr. Seit Ausbruch der internationalen Finanzkrise ist nur noch von Milliardenbeträgen die Rede, vorzugsweise von dreistelligen.

Speziell jene Staaten, die die Krise besonders beutelt, werden ausschließlich als ökonomische Unsicherheitsfaktoren wahrgenommen, als Empfänger von Krediten und Adressaten von Sparappellen. Die Auswirkungen für die Bürgerinnen und Bürger und für das politische System der Krisenländer, speziell das Funktionieren der parlamentarischen Demokratie, geraten weit weniger ins Blickfeld. Dabei sind sie schon jetzt beachtlich, ja Besorgnis erregend. „Klassische“ Parteienregierungen, die aus Wahlen hervorgehen, nehmen sukzessive ab. An ihre Stelle treten Expertokratien wie die von Mario Monti in Italien und Lukas Papadimos in Griechenland.

Wahlen im Zeichen der Wut

Griechenland als das durch die Schuldenkrise am härtesten getroffene Land bietet auch das beste Beispiel dafür, wie gravierend sich die politische Szenerie seit Beginn der Krise verändert hat, ohne dass dies im Ausland richtig wahrgenommen wird.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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