Ausgabe Juni 2012

Mitgefühl als Ware

Die Ökonomisierung der Fürsorge

Wenn dieser Tage vielerorts über das drohende Scheitern der Folgekonferenz von Rio geargwöhnt wird, ist damit vor allem die ökologische Frage gemeint. Doch das Konzept der „nachhaltigen Entwicklung“, das 1992 in der „Agenda 21“ in Rio de Janeiro international vereinbart wurde und um dessen globale Umsetzung nun erneut in Rio verhandelt wird, ist vielschichtiger: Es geht von der Unteilbarkeit der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension einer nachhaltigen Gesellschaftsentwicklung aus.

Schon der Brundtland-Bericht der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung, in dem vor 25 Jahren das Konzept der „nachhaltigen Entwicklung“ erstmals ausformuliert wurde, stellte die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Gefordert wird darin eine Entwicklung,„die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“[1]Dauerhafte Entwicklung sei im Wesentlichen „ein Wandlungsprozess, in dem die Nutzung von Ressourcen, das Ziel von Investitionen, die Richtung technologischer Entwicklung und institutioneller Wandel miteinander harmonieren und das derzeitige und künftige Potential vergrößern, menschliche Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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