Ausgabe Juni 2012

Palästina denken ohne Staat

Plädoyer für ein Leben in bürgerlicher Würde

Politik ist für mich immer ein Mittel gewesen, kein Zweck. Ich sage das, weil ich im Lauf meines Lebens festgestellt habe, dass es sich bei vielen Menschen anders verhält. Schon bei den hitzigen politischen Debatten, die ich als Kind in meinem Elternhaus in Jerusalem mitbekam – Debatten mit Bekannten, Verwandten und Freunden –, und später als Erwachsener bei eigenen politischen Aktivitäten und Diskussionen wurde mir klar, dass es manchen Menschen schlicht und einfach gefällt, sich politisch zu engagieren, ganz unabhängig von den Zielen, in deren Namen sie dies angeblich tun.

Mein mangelndes Interesse daran, Politik zu machen (sprich: Politik als derartiges Spiel zu betreiben), erklärt wahrscheinlich auch mein mangelndes Interesse an einem eigenen palästinensischen Staat, sofern er nicht nur Mittel zum Zweck ist – um unser gemeinsames Wohl zu sichern oder den Zustand der Unterdrückung in einen Zustand der Freiheit zu transformieren. Ich denke, dass die Begeisterung mancher Menschen für einen palästinensischen Staat lediglich ihren Hang zum Politisieren widerspiegelt, anders gesagt, zum Verhandeln als Selbstzweck.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.