Ausgabe Juli 2012

Sonderwirtschafts-Zonen à la Merkel

„In Solingen drei Arbeitslose weniger“, freute sich das „Solinger Tageblatt“ jüngst und meinte es auch so. Drei weniger von rund 750 000 statistisch zugegebenen Arbeitslosen in Nordrhein-Westfalen. Die Weggelogenen nicht eingerechnet. Da kommt Freude auf.

Wenig Freude kommt auf, wenn man den Normzustand der Städte im alten Kernland der Bundesrepublik betrachtet: Straßen mit blinden Schaufenstern, Parkbänke mit blinden Trinkern, Rathäuser mit blinden Kommunalpolitikern. Doch das Ende der Blindheit naht: Die Regierung Merkel wird, so schrieb der „Spiegel“ Mitte Juni, einen Sechs-Punkte-Plan zur Rettung der Krisenländer in Europa vorlegen. Und wenn ein Land ein Krisenland ist, vor oder knapp hinter Griechenland, dann wohl Nordrhein-Westfalen.

Zwar gibt es auch große Gebiete griechischen Zustands im Osten Deutschlands, aber da ein Kernpunkt des Merkel-Planes die Schaffung einer Treuhandanstalt ist, taugt er für den Osten nicht: Dort hat die Treuhand längst alles verkauft, was zu verkaufen war. Nun also NRW. Da gibt es noch 1866 öffentlich bestimmte Fonds, Einrichtungen und Unternehmen mit einer Bilanzsumme von immerhin 111,5 Mrd. Euro. Zwar kann man nicht erwarten, dass der nächstbeste Hedge-Fonds den Ramsch für dieselbe Summe kauft. Das machen die nie. Aber gute 50 Mrd. werden wohl zu erlösen sein. Von den fast 200 Mrd.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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