Ausgabe Oktober 2012

Ostasien: Inseln des Nationalismus

Sie machen nicht viel her, diese paar unbewohnten Felsen im ostchinesischen Meer zwischen Okinawa und Taiwan, ebenso wie einige kleine Inseln in der japanischen See, bewohnt von ein paar Quotenfischern und einigen südkoreanischen Beamten der Küstenwache. Erstere, in Japan Senkaku-Inseln und in China Diaoyu-Inseln genannt, werden von China, Japan und Taiwan beansprucht; die anderen, die auf japanisch Takeshimaund auf koreanisch Dokdo heißen, von Südkorea und Japan.

Diese winzigen Steinhaufen haben wenig materiellen Wert – und trotzdem hat der Streit über ihre Zugehörigkeit international viel Staub aufgewirbelt. Botschafter wurden abberufen; in China fanden massive antijapanische Demonstrationen statt, im Zuge derer Japaner und ihr Eigentum zu Schaden kamen; zwischen Tokio und Seoul fliegen Drohungen hin und her, sogar von militärischen Maßnahmen war die Rede.

Offene Kriegswunden

Die historischen Fakten sind ziemlich simpel. Nach dem sino-japanischen Krieg von 1895 und der Aneignung Koreas durch Japan 1905 riss das imperiale Japan auch die Inseln an sich. Davor waren die Besitzverhältnisse unklar, auf Takeshima/Dokdo lebten Fischer aus Japan, und Senkaku/Diaoyu erfuhr etwas Aufmerksamkeit aus dem kaiserlichen China. Kein Staat erhob jedoch formal Ansprüche auf die Inseln.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Dinge indes komplizierter.

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