Ausgabe Februar 2013

Der Kult um den Colt, 1. Teil

Der große »Gleichmacher« in Amerikas Tradition und Gegenwart

Bild: SteveMcSweeny

Es zählt zu den Grundannahmen der amerikanischen Politik, dass ein demokratischer Staat eine Regierung des Rechts und nicht menschlicher Willkür ist. Von unserem Glauben an dieses Prinzip lebt das bemerkenswert dauerhafte Vertrauen in eine Verfassung, die mittlerweile zu den ältesten, heute noch gültigen ihrer Art auf der Welt gehört. Und dieser Glaube ermöglichte es uns, jedenfalls den größten Teil unserer Geschichte hindurch, den Staat nicht als Bedrohung der Bürgerfreiheiten aufzufassen, sondern als ein vertrauenswürdiges Instrument zur Sicherung und Ausweitung dieser Freiheiten. Es gibt allerdings einen zweiten spezifisch amerikanischen Glaubenssatz, an dem wir ebenso unerschütterlich festhalten – man könnte ihn als „Cowboy Corollary“ oder Cowboy-Nachtrag zur Unabhängigkeitserklärung bezeichnen: „Gott mag die Menschen erschaffen haben, aber es war Samuel Colt, der sie gleich machte.“ Dieselbe Kultur, die die Verfassung als eine Art Heilige Schrift verehrt und sich ihrer Gesetzestreue rühmt, toleriert den privaten Rückgriff auf tödliche Gewalt in einem Grade, wie ihn keine andere industrielle Demokratie duldet. Und sie lebt mit einer Mordrate, die jährlich Todesopfer in einer Größenordnung fordert, wie sie andere Länder nur bei Aufständen oder Guerillakriegen verzeichnen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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