Ausgabe Oktober 2013

Riad und Teheran: In der Höhle des Löwen

Mit dem Tango, der schließlich zur Verständigung über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffenbestände führte, haben Moskau und Washington ein diplomatisches Schauspiel erster Güte geliefert. Dessen Analyse dürfte eine ganze Generation Politikwissenschaftler beschäftigen – aber auch die politischen Brezelbäcker! Denn wie bei diplomatischen Erfolgen üblich, beansprucht ein jeder der Darsteller für sich, gesiegt und strategische Vorteile für das eigene Land herausgeholt zu haben. Es ist gerade diese Komplexität der Debatte über Ursachen und Wirkungen, die das Interesse der Brezelbäcker auf sich zieht. An deren handwerklicher Raffinesse scheitern indes rationale Köpfe, die Anfang und Ende der Brezel exakt bestimmen möchten.

Es sind drei wichtige Fragen, die im Hinblick auf die russisch-amerikanische Übereinkunft dringend der Prüfung und möglichst nachvollziehbarer Antworten bedürfen. Die erste richtet sich eher an Gelehrte und Geschichtsforscher, da sie sich wohl nie definitiv wird beantworten lassen: Welchen Anteil hat die amerikanische Drohung, gewaltsam gegen Syrien vorzugehen, an dem Zustandekommen der Übereinkunft? Die Frage hat zwei Seiten und die Antworten auf jede der beiden reflektieren gängige ideologische Positionen.

Sie haben etwa 18% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 82% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Venezuela: Kolonialismus des 21. Jahrhunderts?

von Ferdinand Muggenthaler

Anfang April veröffentlichte die »New York Times« eine Recherche über den Entscheidungsprozess, der zum US-Angriff auf Iran führte. Der Bericht bestätigt, was Donald Trump auch öffentlich immer wieder anklingen lässt: Die Militäraktion gegen Venezuela hat ihn motiviert.