Ausgabe November 2013

Auf den Leim gegangen

Warum wir Grüne aus unseren Fehlern nicht die falschen Schlüsse ziehen dürfen

Bitter. Anders kann man das Ergebnis der Bundestagswahl 2013 aus grüner Sicht nicht bewerten. Die Merkel-Union triumphiert. Wir, die Bündnisgrünen, sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die große Chance auf einen echten Politikwechsel – vertan. Und die einzig realistische Regierungskonstellation – eine Große Koalition mit parlamentarischer Zweidrittelmehrheit. Nach einem Wahlerfolg muss sich jede Partei an ihren Taten messen lassen. Gleiches gilt in der Niederlage. Wir Grünen werden nun daran gemessen, welche Schlussfolgerungen wir aus dem Wahlkampf und dem Wahlergebnis ziehen: Im besten Fall, so der Blick der Medien, aber auch der Wähler, beweisen sie ihre Kritik- und Lernfähigkeit und lösen damit ihre eigene Forderung nach einer neuen politischen Kultur ein. Im schlechtesten Fall fallen sie in die Systematik von Flügelkämpfen zurück, belassen es bei ein paar Rücktritten und ziehen das Kratzen an der Oberfläche einer Analyse der tieferen Ursachen ihrer Wahlniederlage vor.

Keine Frage, in jedem Fall handelt es sich um einen schmerzhaften Prozess. Aber wenn wir Grüne unsere Politikfähigkeit nicht über Richtungskämpfe verlieren und langfristig die richtigen Schlüsse aus unserer Niederlage ziehen wollen, sind die kommenden Monate entscheidend.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.