Ausgabe Dezember 2013

Der »Fall Eschenburg«: Die Bankrotterklärung der Politikwissenschaft

Am 26. Oktober hat der politologische Fachverband Deutschlands, die Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW), entschieden, ihren 2003 erstmalig und danach im Drei-Jahres-Abstand vergebenen Preis für ein politikwissenschaftliches Lebenswerk nicht mehr zu verleihen. Dieser Preis trug den Namen Theodor Eschenburgs, des viele Jahre lang prominentesten deutschen Politikwissenschaftlers, eines Gründungsvaters dieser Disziplin, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegen beträchtliche Widerstände in den Fächerkanon der deutschen Universitäten aufgenommen worden war.

Eschenburgs Rolle im Nationalsozialismus ist Gegenstand einer heftigen Debatte innerhalb der politikwissenschaftlichen Zunft. In der DVPW-Pressemitteilung vom 27. Oktober stellt die Verbandsvorsitzende Gabriele Abels fest: „Die bisherigen Aufdeckungen und die intensiven Debatten haben deutlich gemacht, dass es neben den belastenden auch zahlreiche entlastende Erkenntnisse gibt“. Und weiter heißt es: „Unzweifelhaft ist, dass weiterhin gravierende Wissenslücken bestehen, die es auf dem derzeitigen Stand des Wissens unmöglich machen, die Biographie Eschenburgs vor sowie nach 1945 hinreichend zu kontextualisieren, um zu einer Einschätzung zu kommen.

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