Ausgabe November 2014

Flexibel im Alter: Der Rentner als Retter?

Seit geraumer Zeit strahlt ein neuer Stern am sozialpolitischen Diskurshimmel: der arbeitende Alte. Ein jung gebliebener älterer Mensch, dem eine neue Flexi-Rente das Arbeiten ins Unbegrenzte ermöglicht. Dabei handelt es sich bei dieser Rente bisher eher um eine Metapher der sozialpolitischen Rhetorik als um eine konkrete, eigenständige Rentenart aus dem deutschen Sozialgesetzbuch. Sie umfasst ein Ensemble arbeits- und sozialrechtlicher Zielvorstellungen und Regularien, die vor allem das Weiterarbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus befördern sollen. Dies erhofft man sich vor allem durch geeignete Kombinationen aus rentenrechtlichen Regeln (etwa Teilrente), arbeitsrechtlichen Vorschriften (etwa erleichterte Befristungen) und beitragsrechtlichen Privilegien (etwa Streichung von Arbeitgeberbeiträgen zur Renten- und Arbeitslosenversicherung). Mit Blick auf die Beschäftigten sollen materielle Anreize und sozialer Druck ineinandergreifen.

Die in dankenswerter Offenheit erklärte Zielsetzung der Flexi-Debatte lautet: „Arbeit im Alter [...] zum Massenphänomen“ werden zu lassen; und dies durch „Maßnahmen, mit denen der Ruhestand für einen möglichst großen Teil der Arbeitnehmerschaft hinausgezögert wird.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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