Ausgabe Februar 2015

Delhi: Versuchslabor des Kapitalismus

Rana Dasgupta ist in England geboren. Sein Vater ist Inder, der allerdings als junger Mann Delhi verlassen musste, weil Rana Dasguptas Großvater die Familie nicht mehr ernähren konnte. Dasguptas Vater entschied sich 1961, Richtung Europa einzuschiffen. Zu seinem Vorteil konnte er Englisch, weil er aus einem gebildeten Haushalt stammte, in dem bei Tisch Englisch gesprochen wurde. Er machte Karriere bei einem multinationalen Unternehmen in England und lernte eine junge Engländerin kennen. Sie wurde Rana Dasguptas Mutter.

Das alles erfährt man in dessen Buch „Delhi – Der Rausch des Geldes“, das von Barbara Heller und Rudolf Hermstein ganz wunderbar ins Deutsche übersetzt wurde. Rana Dasgupta selbst ist ein Schriftsteller, aufgewachsen in Cambridge, der nach dem Studium bei einer Marketingberatung in New York arbeitete. Seit dem Jahr 2000 lebt er dort, wo sein Vater herkommt – in Delhi. Er fuhr eigentlich nur wegen einer jungen Frau dorthin, in die er sich noch in New York verliebt hatte.

Dass Dasgupta in erster Linie Romanautor ist, merkt man seinem Buch in fast jeder Zeile an. Es ist ein persönliches Buch und ein expressives Porträt einer Stadt, ihrer Entstehung, ihrer Entwicklung und ihres Ist-Zustands am Anfang der 2010er Jahre. Es ist, und daraus schöpft es seine Kraft, ein Buch, das seinen Gegenstand einer leidenschaftlichen Betrachtung unterzieht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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