Ausgabe Mai 2015

Feindbild Ghetto

Wie der amerikanische »War on Crime« Rassismus produziert

Polizeigewalt gehört für viele schwarze Amerikaner zum Alltag – das zeigten in besonders dramatischer Weise die tödlichen Schüsse weißer Polizeibeamter auf schwarze Männer in Ferguson wie auch jüngst in North Charleston. Vor diesem Hintergrund wirft die US-Soziologin Alice Goffman ein Schlaglicht auf das Leben der ghettoisierten schwarzen Armutsbevölkerung: Die Politik der Null-Toleranz hat im Zusammenspiel mit dem Abbau sozialstaatlicher Regelungen dazu geführt, dass ein Großteil des alltäglichen Lebens vieler schwarzer US-Amerikaner kriminalisiert wird. In einer umfangreichen Reportage, die in der Tradition der teilnehmenden Beobachtung steht, berichtet Goffman von ihren Erfahrungen als langjährige Bewohnerin eines armen schwarzen Viertels in Philadelphia. »On the Run« heißt ihr soeben im Antje Kunstmann Verlag auf Deutsch erschienenes Buch, auf dem der folgende Text basiert. Die Übersetzung stammt von Noemi von Alemann, Gabriele Gockel und Thomas Wollermann. – D. Red.

Fast das gesamte 20. Jahrhundert hindurch blieb die Anzahl der in den USA inhaftierten Menschen konstant bei etwa einer von tausend Personen der Gesamtbevölkerung.[1] In den 1970er Jahren begann diese Rate jedoch anzusteigen und kletterte innerhalb der nächsten 30 Jahre immer weiter steil nach oben.[2] Anfang des 21. Jahrhunderts saßen so viele Menschen wie niemals zuvor in der Geschichte der USA im Gefängnis.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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