Ausgabe August 2015

Tunesien unter Beschuss

Am Freitagmittag des 26. Juni 2015 erlebte Tunesien einen der traurigsten Momente seiner Geschichte. Eine schicksalsträchtige halbe Stunde lang war die Stadt Sousse nicht mehr die oft gerühmte „Perle der Küste“ dieses Landes. An jenem herrlichen Sonnentag floss in Sousse schaurigerweise das Blut europäischer Touristen ins Meer und in die Schwimmbecken eines Spitzenhotels. Ein Terrorist griff brutal in das Leben westlicher Feriengäste ein – 38 Briten, Deutsche und Bürger anderer westlicher Länder starben.

Der Mann hat offenbar wahllos um sich geschossen. Und doch hatte sein Wahnsinn, wie sich herausstellte, Methode: Der 23jährige Tunesier tötete ausschließlich Ausländer, denn das Leben von Andersgläubigen oder -denkenden bedeutete ihm nichts. Der Gipfel der Heuchelei bestand darin, dass er zwar das Leben seiner Mitbrüger verschonte, gleichzeitig aber die Lebensgrundlage der etwa 400 000 Tunesier, deren Unterhalt vom Tourismus abhängt, zerstörte.

Kaum zehn Tage später veranlasste der Anschlag den tunesischen Präsidenten Caid Essebsi, den Ausnahmezustand auszurufen, um angesichts der unkalkulierbaren terroristischen Bedrohung „der Gefahr im Verzug“ zu begegnen.

Noch vor wenigen Jahren war Seifeddine Rezgui, der am 26.

Sie haben etwa 21% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 79% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.