Ausgabe April 2016

Osteuropa: Vielfalt statt Einfalt

In der Januar-Ausgabe der »Blätter« übte Helmut Fehr heftige Kritik an der autoritären Entwicklung der vier Visegrád-Staaten, insbesondere Ungarns und Polens, aber auch Tschechiens und der Slowakei. Eine einseitige Sicht und ahistorische Verengung des Blicks sieht darin die deutsch-tschechische Publizistin Alena Wagnerová.

Das Verhältnis der postsozialistischen Länder Mittel- und Osteuropas gegenüber dem Westen nach 1989 lässt sich mit zwei Worten erfassen: Einholen und Rückkehren. Spielt sich das Einholen zwischen zwei ungleichen Partnern ab, dann bedeutet die Rückkehr nur die Wiederherstellung einer ursprünglichen Gleichheit, die – aus welchen Gründen auch immer – gestört wurde.[1] Und sagen wir es gleich: Je weiter östlich eines der postsozialistischen Länder liegt, umso weniger ging es nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems um eine Rückkehr als vielmehr um ein Einholen. Das Einholen setzt allerdings voraus, dass der Einzuholende, in diesem Fall der Westen, dem anderen voraus ist. Nur solange der Einzuholende für den Einholenden einen besseren Teil der Welt darstellt – besetzt mit Attributen wie modern, fortschrittlich, wohlhabend, demokratisch, frei –, erscheint der Prozess des Einholens erstrebenswert und wird verfolgt.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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