Ausgabe Februar 2017

Guatemala: Das Ende der Straflosigkeit

Vor 20 Jahren endete in Guatemala einer der blutigsten Bürgerkriege Lateinamerikas. Ganze 36 Jahre, von 1960 bis Ende 1996, hatten vier linke Guerillaorganisationen gegen die massive soziale Ungleichheit und eine rechtsgerichtete Militärregierung gekämpft. Zwischen 150 000 und 250 000 Menschen fielen dem Konflikt zum Opfer, mehrheitlich Angehörige der verarmten indigenen Landbevölkerung. Über 90 Prozent der Gräueltaten gingen dabei laut einer von den Vereinten Nationen eingesetzten Wahrheitskommission auf das Konto der Armee. Dem früheren guatemaltekischen Staatschef Efraín Ríos Montt wurde deshalb vor drei Jahren wegen Völkermord der Prozess gemacht.

Doch auch wenn einige der Kriegsverbrechen vor Gericht gebracht werden konnten, ist der Bürgerkrieg noch nicht einmal ansatzweise juristisch aufgearbeitet, und die verantwortlichen politischen Eliten sind bislang kaum zur Rechenschaft gezogen worden. Eine Übergangsjustiz, wie sie erst kürzlich in Kolumbien vereinbart wurde, hat es in Guatemala nie gegeben. Die damals siegreiche und politisch noch immer überaus einflussreiche Armee wehrt sich bis heute gegen die juristische Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen. Lange besaß sie dabei in der Justiz einen Verbündeten, der alle Bestrebungen nach juristischer Aufklärung an einer Mauer der Straflosigkeit abprallen ließ.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

USA vs. Brasilien: Zollkrieg als Geopolitik

von Frederico Füllgraf

Der Zollkrieg der USA gegen Brasilien hat nicht in erster Linie wirtschaftliche, sondern zuvörderst politische Gründe: Zum einen regiert in Brasilien mit Luiz Inácio Lula da Silva ein Politiker der Arbeiterpartei PT, zum anderen geht die brasilianische Justiz seit dem von Ex-Präsident Jair Bolsonaro angezettelten Putschversuch vom 8. Januar 2023 entschieden gegen den Rechtsextremismus im Land vor.