Ausgabe Mai 2017

Tagträume der Gesellschaft

Piper Chapman, Tony Soprano und Walter White als Zeitdiagnostiker

Nicht nur weiße Polizeigewalt oder ein Tweet aus dem Trump Tower sorgen in den USA immer wieder für heftige Debatten über Rassismus – auch die Fernsehserie „Orange is the New Black“ löste bereits intensive Diskussionen aus. Wenn ab Juni die neuen Folgen auf dem Streamingdienst Netflix laufen, könnte die Debatte wieder aufflammen. Denn noch immer scheiden sich an deren vierter Staffel die Geister. Die Serie führt uns auf den Spuren von Piper Chapman, einer weißen, bisexuellen Frau aus der middle class, in ein Frauengefängnis im Bundesstaat New York. Zunächst wurde die Serie dafür gefeiert, dass sie einen Einblick in das komplexe Zusammenspiel von race, class und gender gewährt, das sicherte ihr ein junges, intellektuelles Publikum. Dann aber wurde in Internetforen und Online-Journalen der Vorwurf erhoben, die Macher von „Orange is the New Black“ würden neuerdings genau jene Ressentiments bedienen, die sie bisher strikt vermieden hatten. Obgleich hier Frauen im Zentrum der Erzählung stünden,[1] kehrten doch stereotype, bisweilen sogar rassistische Erzählmuster wieder, so die Kritik.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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