Ausgabe September 2017

Die Facebook-Utopie

Wie Mark Zuckerberg die Welt retten will

Wenn Donald Trump verspricht „I’ll make America great again“ ist das keine Lüge, sondern Bullshit. Der feine Unterschied liegt in der Perspektive des Senders. Wer lügt, kennt die Wahrheit und unterdrückt sie wissentlich. Als Trump etwa sagte, er habe am 11. September 2001 hunderte Freunde verloren, log er ganz bewusst, um sich Sympathievorteile im Präsidentschaftswahlkampf zu verschaffen. Und zumeist lügt er sogar so offensichtlich, dass ihm die eigentliche Absicht einer Lüge – den anderen etwas Falsches glauben zu machen – kaum unterstellt werden kann.

Wenn Trump dagegen – ganz im Sinne seines ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon[1] – „America first“ postuliert, ist er nichts anderes als ein ehrlicher Bullshitter: Er ist aus tiefstem Herzen von seiner Losung überzeugt, ganz gleich, worin Amerikas Problem eigentlich besteht und ob er die Lösung dafür kennt. Denn Bullshit betrügt durch leeres Gerede statt durch Verzerrung. Er ist so substanzlos und frei von jeglichem Nährwert wie das, worauf der Begriff buchstäblich verweist. Verschiebt man die Metapher im Ernährungsprozess nach oben, lässt sich Bullshit auch als geistiges Fastfood verstehen: Es hat jede Menge „wertlose Kalorien“, ist ebenso ungesund und macht süchtig.[2] Trump ist nicht nur der berühmteste Bullshitter der Welt, sondern auch der offensichtlichste.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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