Ausgabe Mai 2018

Die große Brexit-Illusion

In knapp einem Jahr ist es so weit: Am 29. März 2019 will Großbritannien aus der Europäischen Union austreten. Wenn alles nach Plan läuft, werden die beiden bisherigen Partner bis dahin zumindest ein Rahmenabkommen über die zukünftigen Beziehungen ausgehandelt haben. Bis Ende 2020 soll zudem eine knapp zweijährige Übergangsperiode gelten. In dieser Zeit wird Großbritannien noch wie ein EU-Mitglied behandelt werden und Beiträge zahlen. Es wird nach den Regeln des Binnenmarkts mit den übrigen EU-Ländern handeln können, dafür aber die EU-weite Personenfreizügigkeit akzeptieren müssen und der Jurisdiktion des Europäischen Gerichtshofs unterliegen – all das allerdings, ohne mitreden und mitentscheiden zu können.

Ob es tatsächlich zu einem solchen geordneten Brexit kommt, steht jedoch in den Sternen. Denn zunächst müssten die Verhandlungen zwischen London und der EU, die gerade nach einer dreimonatigen Pause wieder aufgenommen wurden, zu einem akzeptablen Ergebnis führen. Dieses muss spätestens im Oktober 2018 vorliegen, da ein mögliches Abkommen von sämtlichen Parlamenten der EU-Länder und einigen Regionalparlamenten gebilligt werden muss. Und es muss beide Häuser des britischen Parlaments passieren.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema