Ausgabe Juni 2018

Zwangsgeräumt: Die Spirale des Abstiegs

Ein nachlässig aufgeschütteter Haufen von Dingen türmt sich auf dem Bürgersteig: schäbige Möbelstücke, ein Knäuel aus Kleidung und Schuhen, Hausrat, Spielzeug. Kein ungewöhnlicher Anblick in den Ghettos der amerikanischen Innenstädte. Es ist das, was vom Zuhause der Menschen übrigbleibt, der Inhalt ihrer Wohnungen, ausgespuckt nach einer Zwangsräumung. Dieses Bild zieht sich als Motiv durch das neue Buch von Matthew Desmond, Soziologe an der Princeton-Universität: „Zwangsgeräumt“. Seine Studie erschien in den USA bereits 2016, wurde von der Kritik hochgelobt und mit dem Pulitzer-Preis gekürt. Jetzt liegt sie auf Deutsch vor.

Er wolle dem Wesen der Armut in den USA auf die Spur kommen, erklärte Desmond im Radiosender „NPR“: „Im Vergleich zu anderen prosperierenden Demokratien sind die Tiefe und das Ausmaß der Armut in Amerika einzigartig.“ Vor allem habe er verstehen wollen, welche Rolle Wohnraum im Kreislauf der Armut spielt. Deshalb entschied er sich, „mit den Menschen zu leben, die aus ihren Wohnungen geworfen werden“. Das tat er, 15 Monate lang. Der Forscher mietete sich in einem weißen Trailer-Park und später in einem schwarzen Ghetto in Milwaukee ein, einer Stadt im Bundesstaat Wisconsin im Mittleren Westen der USA. Er begleitete acht Familien, schwarze und weiße, junge und alte, Arbeiter und Akademiker.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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