Ausgabe Oktober 2018

Lobbyismus 2.0: Der industriell-politische Komplex

Bild: istockphoto/gremlin

Was hat den Mann nur geritten, wem fühlt er sich verpflichtet?“ So lautete die empörte mediale und öffentliche Reaktion, als der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) Ende 2017 in Brüssel dafür stimmte, das höchst umstrittene Ackergift Glyphosat für weitere fünf Jahre bis 2022 in der EU zuzulassen. Dabei musste ihm – nach der Riesenkontroverse um das Unkrautvernichtungsmittel in den vergangenen Jahren – bewusst gewesen sein, welche Verwerfungen seine Entscheidung auslösen würde. Denn Schmidt ignoriert damit nicht nur eine überwältigende Mehrheit von 73 Prozent der Deutschen, die ein Glyphosat-Verbot fordern.[1] Sein Alleingang löste auch Streit in der Koalition aus und zieht den Ärger der französischen Regierung auf sich, die Glyphosat bis in spätestens drei Jahren national verbieten will. Dabei überdeckt der politische Streit fast den eigentlichen, nämlich inhaltlichen Skandal: Mit seinem Votum machte Schmidt den Weg frei für ein Totalherbizid, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein, und das mitverantwortlich ist für das Massensterben von Pflanzen, Insekten, Vögeln, Amphibien, Pilzen, für die Vergiftung von Böden, Grundwasser und Menschen.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.