Ausgabe Mai 2022

Abschied vom Globalen Dorf

zettberlin / photocase.de

Bild: zettberlin / photocase.de

Ich gehöre einer vom Glück begünstigten Generation an. Ich kann mich an eine Zeit erinnern – es ist ungefähr 25 Jahre her –, als die Welt scheinbar zusammenrückte. Der große Wettstreit des Kalten Krieges zwischen Kommunismus und Kapitalismus schien ein Ende gefunden zu haben. Die Demokratie breitete sich immer noch aus. Die ökonomischen Verknüpfungen zwischen den Ländern nahmen zu. Das Internet schien die weltweite Kommunikation zu fördern. Es sah so aus, als würde sich die Welt einer Übereinkunft über eine Reihe universeller Werte nähern – Freiheit, Gleichheit, Menschenwürde, Pluralismus, Menschenrechte.

Diesen Prozess der Annäherung nannten wir Globalisierung. In erster Linie ging es dabei um wirtschaftliche und technologische Prozesse – wachsende Handelsströme und Investitionen zwischen den Ländern und die Verbreitung von Technologien, die uns zum Beispiel Wikipedia brachten. Aber Globalisierung war immer auch ein politischer, sozialer und ethischer Prozess.

In der 1990er Jahren argumentierte der britische Soziologe Anthony Giddens, dass Globalisierung „ein Wandel unserer Lebensumstände ist; die Art, wie wir heute leben.“ Dies schloss die „Intensivierung von sozialen Beziehungen weltweit“ ein. Globalisierung betraf die Integration von Weltanschauungen, Produkten, Ideen und Kulturen.

Dies passte zu einer akademischen Theorie, die damals im Umlauf war, die Modernisierungstheorie.

Mai 2022

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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